Übersetzer packen aus: Im Anfang war Tohuwabohu

Junge jüdische Autorinnen aus England – vorgestellt von ihren Hamburger Übersetzerinnen
Mit Isabel Bogdan (KSL 47) und Miriam Mandelkow (KSL 46)
Moderation: Annette Kopetzki (KSL 48)

Eine alte Handschrift der fünf Bücher Mose lagert irgendwo in Jerusalem. Als die englische Bibelwissenschaftlerin Shulamit Shepher Zugang zu diesem Kodex sucht, sieht sie sich ihrer eigenen Familiengeschichte gegenüber. – Im Nordwesten Londons stirbt ein orthodoxer Oberrabbiner. Als seine abtrünnige Tochter aus New York heimkehrt, sieht sie sich ihrer Jugendliebe Esti gegenüber. Und einer Gemeinde, die genau weiß, was richtig und falsch ist. Tamar Yellin (Das Vermächtnis des Shalom Shepher, Goldmann Verlag 2008) und Naomi Alderman (Ungehorsam, Berlin Verlag 2007) allerdings wissen, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.
Ihre deutschen Übersetzerinnen Isabel Bogdan und Miriam Mandelkow wiederum werden von den letzten Worten beim Übersetzen dieser beiden Romane berichten, sie lesen Passagen aus den Büchern und beantworten Fragen aus dem Publikum.

Eine Veranstaltung des Hamburger Übersetzertreffens, mit freundlicher Unterstützung der Hamburger Kulturbehörde und der Buchhandlung Christiansen. Organisation: Birgit Schmitz.

Mittwoch, 02.04.2008, 20.00 Uhr
Buchhandlung Christiansen, Bahrenfelder Straße 7, Hamburg
Eintritt: 5 Euro
Karten können telefonisch reserviert werden: Tel. (040) 390 20 72

Die Bücher und Teilnehmerinnen im Einzelnen:

Naomi Alderman: Ungehorsam
Originaltitel: Disobedience
Übersetzung: Christiane Buchner und Miriam Mandelkow
Berlin Verlag 2007

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Als bei der New Yorker Investmentbankerin Ronit am Samstagabend das Telefon klingelt, bricht eine Welt bei ihr ein, die sie für immer hinter sich gelassen zu haben glaubte. Ihr Vater, der große Rav Krushka, ist tot. Vor Jahren hatte der orthodoxe Oberrabbiner der Londoner Gemeinde Hendon seine Tochter nach Amerika geschickt – zu aufmüpfig war sie gewesen, zu neugierig auf das Leben jenseits koscherer Speisegesetze und langweiliger Schabbatrituale.
In Hendon wartet Esti, die Frau des künftigen Oberrabbiners, seit Jahren auf Ronits Rückkehr. Mit ihr hat sie einst die Liebe entdeckt, mit ihr wollte sie der streng religiösen Gemeinschaft entfliehen, allein hat sie sich schließlich für die schützende Enge der Tradition entschieden. Als ihre Jugendliebe mit hochgeschlitztem Rock und der unbedingten Bereitschaft zur Provokation heimkehrt, geraten Lebensentwürfe ins Wanken, Überzeugungen werden hinterfragt, Überlieferungen neu gedeutet.
Geschildert werden die scheinbar unvereinbaren Welten der beiden Frauen mit zwei unterschiedlichen Erzählstimmen – ins Deutsche übertragen von zwei Übersetzerinnen. Ein übersetzerisches Experiment also, von dem ebenso die Rede sein wird wie von talmudischen Debatten, lustvollem Ungehorsam und farbenfrohen Migräneanfällen. Naomi Alderman wurde für ihren Roman mit dem Orange Award for New Writers 2006 ausgezeichnet.

Miriam Mandelkow hat in Hamburg und Bloomington/Indiana Anglistik, Amerikanistik und Jewish Studies studiert. Sie arbeitete zunächst als Lektorin, bevor sie sich literarischen Übersetzungen zuwandte (u.a. Patrick Hamilton, Michael Frayn und Martha Gellhorn).

Tamar Yellin: Das Vermächtnis des Shalom Shepher
Originaltitel: The Genizah at the House of Shepher
Übersetzung: Isabel Bogdan
Goldmann Verlag 2008

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Die englische Bibelwissenschaftlerin Shulamit Shepher besucht nach zwanzig Jahren Abwesenheit zum ersten Mal wieder ihre Verwandten in Jerusalem. Es ist ein Abschiedsbesuch, denn das Haus, in dem die Familie seit Jahrzehnten lebt, soll abgerissen werden. Bei den Aufräumarbeiten wurde auf dem Dachboden eine wertvolle alte Bibelhandschrift gefunden; Anlass für Shulamit, sich mit der Geschichte ihrer Familie, mit der ihres Volkes und ihrer Kultur und mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dabei geht sie in der Familiengeschichte zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, zu ihrem Urgroßvater Shalom Shepher, der den Kodex von einer langen Reise mitgebracht haben soll; sie erzählt von ihrem Großvater, ihrem Vater und ihrer Mutter und schließlich von sich selbst. In der Familie bricht derweil ein Streit darüber aus, was mit der Handschrift zu geschehen habe, und es taucht ein geheimnisvoller Fremder auf, der sich ebenfalls für den Kodex interessiert.
Darüber hinaus erfahren wir in Tamar Yellins Familienpanorama etwas über die Cholera, über die Essigherstellung und über den Zusammenhang zwischen spiritueller Sehnsucht und schmerzhaften Blähungen. Tamar Yellin wurde für Das Vermächtnis des Shalom Shepher unter anderem mit dem Sami-Rohr-Preis geehrt, dem höchst-dotierten jüdischen Literaturpreis der Welt.

Isabel Bogdan hat in Heidelberg und Tokyo Anglistik und Japanologie studiert. Seit einigen Jahren lebt sie als Übersetzerin in Hamburg. Für Das Vermächtnis des Shalom Shepher wurde sie 2006 mit dem Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzungen ausgezeichnet.

Annette Kopetzki, Moderation, studierte Germanistik und Philosophie. Sie arbeitete als Lektorin für Deutsche Sprache und Literatur, freie Autorin, Übersetzerin und Dozentin für Übersetzung in Rom und Pescara. 1995 promovierte sie an der Universität Hamburg über Theorien der Literaturübersetzung und lebt heute als Übersetzerin aus dem Italienischen in Hamburg.

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