Monatsarchiv: März 2008

Übersetzer packen aus: Im Anfang war Tohuwabohu

Junge jüdische Autorinnen aus England – vorgestellt von ihren Hamburger Übersetzerinnen
Mit Isabel Bogdan (KSL 47) und Miriam Mandelkow (KSL 46)
Moderation: Annette Kopetzki (KSL 48)

Eine alte Handschrift der fünf Bücher Mose lagert irgendwo in Jerusalem. Als die englische Bibelwissenschaftlerin Shulamit Shepher Zugang zu diesem Kodex sucht, sieht sie sich ihrer eigenen Familiengeschichte gegenüber. – Im Nordwesten Londons stirbt ein orthodoxer Oberrabbiner. Als seine abtrünnige Tochter aus New York heimkehrt, sieht sie sich ihrer Jugendliebe Esti gegenüber. Und einer Gemeinde, die genau weiß, was richtig und falsch ist. Tamar Yellin (Das Vermächtnis des Shalom Shepher, Goldmann Verlag 2008) und Naomi Alderman (Ungehorsam, Berlin Verlag 2007) allerdings wissen, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.
Ihre deutschen Übersetzerinnen Isabel Bogdan und Miriam Mandelkow wiederum werden von den letzten Worten beim Übersetzen dieser beiden Romane berichten, sie lesen Passagen aus den Büchern und beantworten Fragen aus dem Publikum.

Eine Veranstaltung des Hamburger Übersetzertreffens, mit freundlicher Unterstützung der Hamburger Kulturbehörde und der Buchhandlung Christiansen. Organisation: Birgit Schmitz.

Mittwoch, 02.04.2008, 20.00 Uhr
Buchhandlung Christiansen, Bahrenfelder Straße 7, Hamburg
Eintritt: 5 Euro
Karten können telefonisch reserviert werden: Tel. (040) 390 20 72

Die Bücher und Teilnehmerinnen im Einzelnen:

Naomi Alderman: Ungehorsam
Originaltitel: Disobedience
Übersetzung: Christiane Buchner und Miriam Mandelkow
Berlin Verlag 2007

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Als bei der New Yorker Investmentbankerin Ronit am Samstagabend das Telefon klingelt, bricht eine Welt bei ihr ein, die sie für immer hinter sich gelassen zu haben glaubte. Ihr Vater, der große Rav Krushka, ist tot. Vor Jahren hatte der orthodoxe Oberrabbiner der Londoner Gemeinde Hendon seine Tochter nach Amerika geschickt – zu aufmüpfig war sie gewesen, zu neugierig auf das Leben jenseits koscherer Speisegesetze und langweiliger Schabbatrituale.
In Hendon wartet Esti, die Frau des künftigen Oberrabbiners, seit Jahren auf Ronits Rückkehr. Mit ihr hat sie einst die Liebe entdeckt, mit ihr wollte sie der streng religiösen Gemeinschaft entfliehen, allein hat sie sich schließlich für die schützende Enge der Tradition entschieden. Als ihre Jugendliebe mit hochgeschlitztem Rock und der unbedingten Bereitschaft zur Provokation heimkehrt, geraten Lebensentwürfe ins Wanken, Überzeugungen werden hinterfragt, Überlieferungen neu gedeutet.
Geschildert werden die scheinbar unvereinbaren Welten der beiden Frauen mit zwei unterschiedlichen Erzählstimmen – ins Deutsche übertragen von zwei Übersetzerinnen. Ein übersetzerisches Experiment also, von dem ebenso die Rede sein wird wie von talmudischen Debatten, lustvollem Ungehorsam und farbenfrohen Migräneanfällen. Naomi Alderman wurde für ihren Roman mit dem Orange Award for New Writers 2006 ausgezeichnet.

Miriam Mandelkow hat in Hamburg und Bloomington/Indiana Anglistik, Amerikanistik und Jewish Studies studiert. Sie arbeitete zunächst als Lektorin, bevor sie sich literarischen Übersetzungen zuwandte (u.a. Patrick Hamilton, Michael Frayn und Martha Gellhorn).

Tamar Yellin: Das Vermächtnis des Shalom Shepher
Originaltitel: The Genizah at the House of Shepher
Übersetzung: Isabel Bogdan
Goldmann Verlag 2008

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Die englische Bibelwissenschaftlerin Shulamit Shepher besucht nach zwanzig Jahren Abwesenheit zum ersten Mal wieder ihre Verwandten in Jerusalem. Es ist ein Abschiedsbesuch, denn das Haus, in dem die Familie seit Jahrzehnten lebt, soll abgerissen werden. Bei den Aufräumarbeiten wurde auf dem Dachboden eine wertvolle alte Bibelhandschrift gefunden; Anlass für Shulamit, sich mit der Geschichte ihrer Familie, mit der ihres Volkes und ihrer Kultur und mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dabei geht sie in der Familiengeschichte zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, zu ihrem Urgroßvater Shalom Shepher, der den Kodex von einer langen Reise mitgebracht haben soll; sie erzählt von ihrem Großvater, ihrem Vater und ihrer Mutter und schließlich von sich selbst. In der Familie bricht derweil ein Streit darüber aus, was mit der Handschrift zu geschehen habe, und es taucht ein geheimnisvoller Fremder auf, der sich ebenfalls für den Kodex interessiert.
Darüber hinaus erfahren wir in Tamar Yellins Familienpanorama etwas über die Cholera, über die Essigherstellung und über den Zusammenhang zwischen spiritueller Sehnsucht und schmerzhaften Blähungen. Tamar Yellin wurde für Das Vermächtnis des Shalom Shepher unter anderem mit dem Sami-Rohr-Preis geehrt, dem höchst-dotierten jüdischen Literaturpreis der Welt.

Isabel Bogdan hat in Heidelberg und Tokyo Anglistik und Japanologie studiert. Seit einigen Jahren lebt sie als Übersetzerin in Hamburg. Für Das Vermächtnis des Shalom Shepher wurde sie 2006 mit dem Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzungen ausgezeichnet.

Annette Kopetzki, Moderation, studierte Germanistik und Philosophie. Sie arbeitete als Lektorin für Deutsche Sprache und Literatur, freie Autorin, Übersetzerin und Dozentin für Übersetzung in Rom und Pescara. 1995 promovierte sie an der Universität Hamburg über Theorien der Literaturübersetzung und lebt heute als Übersetzerin aus dem Italienischen in Hamburg.

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KAFFEE.SATZ.LESEN 48 „Druckfrisch“, 30.März 2008

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Thomas Pletzinger wird sein gefeiertes Romandebüt „Bestattung eines Hundes“ vorstellen. Foto: Kiwi  

Frühjahrsoffensive bei KAFFEE.SATZ.LESEN, gleich vier der fünf geladenen Gäste präsentieren zur Märzausgabe unserer Lesereihe druckfrische Bücher. Der Hamburger Autor Nils Mohl liest aus seinem Romandebüt „Kasse 53“, einer komisch-poetischen Betrachtung der Lebenswoche eines Kaufhaus-Kassierers. Welches neue Buch genau Gunter Gerlach vorstellen wird, ist unklar. Vielleicht sein aktuelles Buch „Melodie der Bronchien“ oder aber sein allerneustes Buch „Tod in Hamburg“. Ein großes Vergnügen wird sein Auftritt in jedem Fall. Der Wahlberliner Thomas Pletzinger liest aus seinem Romandebüt „Bestattung eines Hundes“ das bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. In der Reihe „Übersetzer geben Einblick“ stellt die Hamburger Übersetzerin Annette Kopetzki ihre Übersetzung des neuen Romans „Diese Geschichte“ von Alessandro Baricco vor. Immer wieder neu erfindet sich Musiker und Sprachkünstler Vincent Welt bei seinen Auftritten auf Poetry Slams, lassen Sie sich überraschen.

KAFFEE.SATZ.LESEN 48 im März „Druckfrisch“ mit Gunter Gerlach | Thomas Pletzinger | Nils Mohl | Annette Kopetzki | Vincent Welt

Sonntag, 30. März 2008, 16:00 Uhr, Baderanstalt, Hammer Steindamm 62 neben S-Bahnhof Hasselbrook

im Hinterhof, 5. Stock.

Einlass 15:00 Uhr

Thomas Pletzinger

wurde 1975 in Münster geboren, wuchs im Ruhrgebiet auf und absolvierte ein Studium der Amerikanistik und Medienkultur in Hamburg. Er arbeitete für Buchverlage und Literaturagenturen. Nach einem zweiten Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig lebt er nun als freier Autor und Übersetzer in Berlin. Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien, verschiedene Preise und Stipendien. Er ist Gastdozent am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Für sein Romandebüt Bestattung eines Hundes (Kiepenheuer & Witsch, 2008) erhielt er den Förderpreis zum Großen Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland 2007.

http://www.bogusmag.de/

Daniel Beskos in DIE ZEIT über Peltzingers Roman: http://www.zeit.de/online/2008/11/thomas-pletzinger

 Nils Mohl

der Hamburger Autor Nils Mohl, geboren 1971, erhielt für seine Prosa zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Hamburger Förderpreis für Literatur. Sein Romandebüt „Kasse 53“ (Achilla Presse) erkundet das Verhalten der Menschen am Point of Sale, die Sitten und Gebräuche des Konsumenten. Es geht um Geld, Kartenzahlungen und Rohrpost. Um Macken, Ticks, Schrullen und Polyethylentragetaschen. Um das 99-Pfennig-Prinzip, Ladendiebstahl, Kaufsucht und praktische Enzyklopädie. Um kupferplattierten Flussstahl, Pheromone, eine sich täglich wiederholende Odyssee zwischen Innenstadt und Stadtrand – und um Fragen der Haltung. Die Woche des Kassierers: geschnitten in Erzählschübe im Kassenbonformat. Ein beispielloses literarisches Unternehmen.

http://www.kasse53.de/

Gunter Gerlach 

der vielfach preisgekrönte Hamburger Autor Gunter Gerlach war, zur Freude des Publikums, schon oft zu Gast bei KAFFEE.SATZ.LESEN. Weil er so viele gute Bücher schreibt. Aus diesem Grund ist auch noch nicht sicher, welches Buch genau er vorstellen wird. Vielleicht wird es sein aktuelles Buch „Melodie der Bronchien“ (Rotbuch Verlag) mit Bartzsch, dem Amateurdetektiv aus Gerlachs „Allergie-Trilogie“. Oder aber er liest aus seinem allerneusten Buch „Tod in Hamburg“ (Ellert & Richter), dessen Erscheinungstermin so knapp vor der März-Lesung liegt, dass wir für nichts garantieren können. Ein großes Vergnügen wird sein Auftritt in jedem Fall. Todsicher.

http://www.gunter-gerlach.de/

Annette Kopetzkigeboren

1954 in Hamburg, lebte nach dem Studium in Italien, wo sie als Lektorin abeitete, für Zeitungen schrieb und übersetzte. Sie hat Arbeiten über die Theorie des Übersetzens veröffentlicht und übersetzte u.a. P.P.Pasolini, Erri De Luca, Giorgio Bobbio, Laura Pariani, Giuseppe Bonaviri. 1998 und 2004 erhielt sie den Förderpreis für literarische Übersetzung der Kulturbehörde Hamburg. In der Reihe „Übersetzer geben Einblick“ stellt Sie ihre Übersetzung des neuen Romans „Diese Geschichte“ (Hanser) des italienischen Erfolgsautors Alessandro Baricco vor. Er erzählt die Geschichte eines Lebens, das eine Autorennbahn ist. Nein, keine Metapher! Eines Tages verwirklicht Ultimo Parri seinen Traum, eine Rennbahn zu bauen, in der sein ganzes Leben – und das Jahrhundert der beiden Weltkriege – Gestalt annimmt. Ein einziges Mal nur wird jemand über diese Rennbahn fahren – die Frau, die Ultimo liebte, ohne es zu wissen.

Vincent Welt

wurde am 30.04.1968 in Pinneberg geboren. Diverse Wohnortwechsel, ein einjähriger USA Aufenthalt, Abitur, Zivildienst und ein abgebrochenes Philosophiestudium später, fand Vincent sich Anfang der 90 Jahre in Hamburg wieder. Dort machte er sein vermeintlich einziges Talent zum Beruf und wurde Vincent Welt wurde am 30.04.1968 in Pinneberg geboren. Diverse Wohnortwechsel, ein einjähriger USA Aufenthalt, Abitur, Zivildienst und ein abgebrochenes Philosophiestudium später, fand Vincent sich Anfang der 90 Jahre in Hamburg wieder. Dort machte er sein vermeintlich einziges Talent zum Beruf und wurde Musiker.. Darin war er recht erfolgreich – er spielte unter anderem für Stefan Gwildis, James Last, Otto Waalkes u.v.m. – trotzdem entpuppte sich das Musikgeschäft mehr und mehr als Dienstleistungsunternehmen denn als Podium für einen künstlerischen Ausdruck. Diesen fand Vincent vor einigen Jahren im Schreiben und Performen von Texten. Mit der Teilnahme am National Poetry Slam 2007 in Berlin fand Vincents Leidenschaft für das Wort einen vorläufigen Höhepunkt. Bis dato gibt es keine Veröffentlichung. Seit fast 3 Jahren bewegt sich Vincent auf den Slambühnen Deutschlands. Stets erzählt er Geschichten. Stets geht es um Menschen, die man kennen könnte, die man kennt, mit denen man sich vielleicht sogar einen Körper teilen muss. Auch wenn seine Charaktere meist schrullig, ranzig, penetrant, verschroben, skurril, von verstocktem Gemüt und mindestens extrem neben der Spur sind, geht am Ende doch alles meistens gut. Mehr oder weniger. 

Weitere Informationen zur Lesereihe finden Sie unter: http://www.redereihamburg.de/

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Gunter Gerlach – Von brennenden Samtvorhängen, Allergikern und der wahrscheinlich schnellsten Lesereihe der Welt

 

 

 

Die Stimme ist verstummt. Ruhe in den Saal irgendwo in Hamburg eingekehrt. Die Zuhörer schauen auf den Autor, der am Tisch sitzt und gleich weiter lesen wird mit einer Stimme, die so klingt wie die Erzähler von den Nils Holgersson, Momo oder Michel – Schallplatten unserer Kindheit. So klingt Gunter Gerlach. Jetzt gerade ist seine Stimme allerdings nicht zu hören. Er muss erst mal selbst lesen, was er da geschrieben hat. Er wundert sich. Kneift kurz die Augen zusammen, dann fängt er an zu lachen, bevor er weiter liest. Es ist unmöglich, seine Geschichten von diesen traurigen und gescheiterten Helden, die aber nie den Mut verlieren, nicht zu mögen und es ist ebenso unmöglich, nicht zu lachen, wenn er lacht. 

 

 

Elektromechaniker oder Werbetexter?

Elektromechaniker sollte Gunter Gerlach werden, Fotograf, Maler, Grafiker wollte er werden. Texter und Autor ist er geworden. „Es ist ja überhaupt kein Ziel zu erkennen“, sagte damals ein Vertreter der Hochschule für bildende Künste, an der Gerlach Fotografie studierte. „Soll ich davon jetzt auch noch erzählen?“, fragt Gunter Gerlach und spricht gleich weiter. Gerlach hat viel mitzuteilen, nicht nur in seinen Büchern. 

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Nils Mohl bei wortpong, FSK 93.0 oder 101.4 im Kabel

Mittwoch, 05.03.2008, 17-19 Uhr

 

Nils Mohl


WORTPONG Ankündigung: „Am Mittwoch bringen wir mit dem FSK-Shopping-Channel mal ordentlich eure Kreditkarten zum glühen. Einkaufsberater und Kassenspezialist Nils Mohl verschafft uns dabei einen Kaufrausch der literarischen Sonderklasse. Wir lassen kein Schnäppchen aus, selbst wenn wir dafür drauf zahlen müssen. Zu hypnotischer Kaufhaus-Muzak verscherbeln wir Sonderangebote und Luxusgüter und wenn die lieben Kleinen im Kinderparadies bereits Amok laufen, räumen wir weiter die Regale leer. Nils Mohl stellt seinen ersten Roman „Kasse 53“ vor und wir spielen Kaufhausmusik der Sonderklasse.“

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